Paris im 20. Jahrhundert by Jules Verne
Author:Jules Verne [Verne, Jules]
Language: deu
Format: epub
Publisher: (Privatkopie)
Published: 2011-09-23T22:00:00+00:00
Elftes Kapitel
Ein Spaziergang am Hafen von Grenelle
Es war Monsieur Richelot in Person. Michel warf sich seinem alten Lehrer in die Arme; es hätte nicht viel gefehlt, und er wäre in jene gestürzt, die Mademoiselle Lucy Onkel Huguenin entgegenstreckte; dieser stand zum Glück auf seinem Empfangsposten und vereitelte eine so charmante Begegnung.
»Michel!« rief Monsieur Richelot.
»Genau der«, antwortete Monsieur Huguenin.
»Ah«, meinte der Professor, »das ist aber eine jukunde Überraschung, der Abend verspricht laetant zu werden.«
»Dies albo notanda lapillo«1, entgegnete Monsieur Huguenin.
»Wie unser teurer Flaccus sagt«, antwortete Monsieur Richelot.
»Mademoiselle«, stotterte der junge Mann, während er das junge Mädchen begrüßte.
»Monsieur«, antwortete Lucy mit einem nicht allzu unbeholfenen Knicks.
»Candore notabilis albo«2, murmelte Michel zum Entzücken seines Professors, der dieses Kompliment der Fremdsprache wegen verzieh.
Übrigens hatte der junge Mann die Wahrheit gesprochen; die ganze Anmut des jungen Mädchens war in diesem köstlichen Hemistichion Ovids enthalten. Bemerkenswert durch ihre blasse Unschuld! Mademoiselle Lucy war fünfzehn Jahre alt, hinreißend mit ihrem langen blonden Haar, das nach der neuesten Mode locker über ihre Schultern fiel, frisch und wie neugeboren, wenn dieses Wort all das wiedergeben kann, was in ihr an Neuem, Reinem, kaum Erblühtem lag; ihre tiefblauen Augen voll naiver Blicke, ihre zierliche Nase mit den kleinen durchscheinenden Nasenflügeln, ihre taufeuchten Lippen, der ein wenig nachlässige Liebreiz ihres Halses, ihre kühlen und geschmeidigen Hände, die feinen Linien ihrer Gestalt bezauberten den jungen Mann und ließen ihn stumm vor Bewunderung dastehen. Dieses Mädchen war die lebendige Poesie; er spürte sie, mehr als er sie sah; sie traf zuerst sein Herz, und dann seine Augen.
Diese Verzückung drohte sich bis ins Unendliche fortzusetzen; Onkel Huguenin bemerkte es, bat seine Besucher, sich zu setzen, versuchte, das junge Mädchen ein wenig vor den Strahlen des Poeten zu schützen, und ergriff wieder das Wort.
»Liebe Freunde«, sagte er, »bis zum Abendessen wird es nicht mehr lange dauern; laßt uns in der Zwischenzeit ein wenig plaudern. Nun, Richelot, es ist gut einen Monat her, seit ich Sie nicht gesehen habe. Und wie ergeht es den Menschengeschlechtern?«
»Sie gehen fort!« antwortete der alte Professor. »Ich habe nur mehr drei Schüler in meiner Rhetorik-Klasse! Das ist eine turpe Dekadenz! Deshalb wird man uns auch entlassen, und man wird gut daran tun.«
»Sie entlassen«, rief Michel.
»Ist davon wirklich die Rede?« fragte Onkel Huguenin.
»Wirklich und in der Tat«, antwortete Monsieur Richelot; »es geht das Gerücht, daß die Lehrstühle für Literatur kraft einer in der Hauptversammlung der Aktionäre getroffenen Entscheidung zum Jahr 1962 abgeschafft werden.«
»Was wird dann aus den beiden werden?« dachte Michel, während er das Mädchen betrachtete.
»Ich kann so etwas nicht glauben«, sagte der Onkel und legte die Stirn in Falten; »das werden sie nicht wagen.«
»Sie werden es wagen«, antwortete Monsieur Richelot, »und es wird wohl das beste sein! Wer kümmert sich denn schon um Griechen und Lateiner, die höchstens noch dazu taugen, den Wörtern der modernen Wissenschaft ein paar Wurzeln zu liefern! Die Schüler verstehen diese wundervollen Sprachen nicht mehr, und wenn ich sehe, wie einfältig diese jungen Menschen sind, dann packt mich Ekel neben der Verzweiflung.«
»Ist das denn möglich!« sagte der junge Dufrénoy.
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